Große Defizite bei der UK-Club-Tantiemenverteilung führen dazu, dass viele Künstler zu wenig erhalten

Eine neue Untersuchung der Berliner Initiative Fair Play zeigt, dass das britische Club-Tantiemensystem die Künstler im Stich lässt, die es eigentlich tragen. Auftritte in Clubs sind eine zentrale Einnahmequelle für elektronische Musiker, doch die Mechanismen zur Erfassung und Ausschüttung des Geldes arbeiten weiterhin mit veralteten Methoden. Nach sechs Monaten Analyse der britischen Tantiemenkette stellte Fair Play fest, dass nur 36 % der in Clubs erwirtschafteten Tantiemen bei den richtigen Urhebern ankommen.

Schwaches Tracking benachteiligt Underground-Künstler

Die meisten Clubs im Vereinigten Königreich zeichnen nach wie vor nicht auf, was DJs tatsächlich spielen. Nur ein kleiner Teil nutzt Musikerkennungstechnologie, obwohl diese Titel mit weit über 90 Prozent Genauigkeit identifizieren kann. Von DJs eingereichte Tracklisten wären noch aussagekräftiger, doch die Einreichungsquote ist äußerst gering. Fehlen verlässliche Daten, greifen Verwertungsgesellschaften zu Radioplaylists und Stichproben in kleinem Umfang, um die Lücken zu schließen. Diese Verfahren begünstigen Künstler mit Chartpräsenz – nicht jene Produzenten, deren Tracks das Herz der Clubkultur bilden.

Fair Play schätzt, dass diese Diskrepanz jedes Jahr rund 6,6 Millionen Euro an clubbezogenen Tantiemen von den Musikern weglenkt, die sie eigentlich verdient haben. Besonders hart trifft es unabhängige und Underground-Künstler, deren Einkommen stärker von Club-Plays als von Radioeinsätzen abhängt.

Der Druck auf ein modernes Tantiemensystem steigt

Der Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem das Vertrauen in die britische Tantiemenverwaltung bereits angeschlagen ist. PRS for Music, die wichtigste Verwertungsgesellschaft für Songwriter, sieht sich derzeit mit einer Klage von Künstlern wie The Jesus and Mary Chain und Robert Fripp konfrontiert. Sie kritisieren mangelnde Fairness und Transparenz der geltenden Regeln. PRS kündigte an, sein Vorgehen zu verteidigen, doch der Streit unterstreicht die grundsätzliche Frage, ob alte Strukturen den Anforderungen der heutigen Musiklandschaft noch gerecht werden.

Fair Play fordert die Clubs auf, verlässliche Track-Identifikationstools einzusetzen, und appelliert an DJs, ihre Setlists konsequent einzureichen. Zugleich drängt die Initiative die Verwertungsgesellschaften, ihre Modelle so anzupassen, dass sie das Funktionieren des modernen Nachtlebens abbilden. Ohne klarere Meldungen, warnt Fair Play, werden die kreativen Köpfe der britischen Clubkultur weiterhin auf Einnahmen verzichten müssen, die ihnen eigentlich zustehen.

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